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Was tun gegen Kopfschuppen?

<p class="bodytext">Schuppen auf dem Kopf und auf der Kleidung wirken schnell ungepflegt. Kein Wunder, dass das den Betroffenen oft peinlich ist. Bei harmlosen Ursachen kann man sich mit der passenden Pflege und Anti-Schuppen-Shampoos aus der Apotheke gut selbst helfen. Schwerere Geschütze sind nötig, wenn Hauterkrankungen hinter den unliebsamen Flöckchen stecken. </p><p class="bodytext"><strong>Trocken oder fettig? </strong> </p><p class="bodytext">Die Haut des Menschen erneuert sich unaufhörlich. In der untersten Schicht bilden sich ständig Zellen, die dann innerhalb von vier Wochen bis an die Oberfläche wandern. Hier sterben die Hautzellen dann ab und werden als kleine Hautschüppchen abgestoßen. Normalerweise sind diese Hautschüppchen winzig und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sichtbar werden Hautschuppen nur dann, wenn sich die Hautzellen zu schnell erneuern. Dann verklumpen sie und bilden größere Verbänden mit Hunderten von Zellen. Die typische sichtbare Hautschuppe besteht in Wirklichkeit also aus einer Vielzahl von kleinen Schüppchen. </p><p class="bodytext">Diese sichtbaren Hautschuppen lassen sich in zwei Arten unterteilen: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Trockene Schuppen </strong>bleiben nicht im Haar hängen, sondern rieseln auf Schultern und Kleidung herab. Vor allem auf dunklen Stoffen sind die weißlichen Flöckchen gut zu erkennen. Sie treten meist bei trockener Kopfhaut auf und werden oft von Juckreiz begleitet.</li><li><strong>Fettige Schuppen </strong>sind eher ölig und gelblich gefärbt. Sie bleiben in der Regel am Haaransatz kleben und lassen sich nur schwer von dort lösen. Fettige Schuppen entstehen, wenn die Kopfhaut zu viel Talg produziert. </li></ul> </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Die Ursache für die Schuppenbildung sind vielfältig. Sie reichen von trockener Haut und falscher Pflege bis zu Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis und Pilzinfektionen. </p><p class="bodytext"><strong>Trockene Kopfhaut lässt es rieseln </strong> </p><p class="bodytext">Ein harmloser, aber besonders häufiger Grund für Schuppen ist die trockene Kopfhaut. Frauen und Männer sind von diesem Problem etwa gleich oft betroffen. Typisch sind trockene, feine weiße Schuppen, die schneeartig aus den Haaren rieseln. Die Kopfhaut ist gerötet, spannt und juckt. Begünstigt und zusätzlich gereizt wird die trockene Kopfhaut durch viele Faktoren: </p><p class="bodytext"><ul><li>starke Sonneneinstrahlung</li><li>trockene Heizungsluft im Winter </li><li>zu häufiges Haarewaschen und heißes Föhnen der Haare</li><li>aggressive, parfümierte oder allergisierende Shampoos und Haarpflegegeprodukte. </li></ul> </p><p class="bodytext">Einige einfache Basismaßnahmen können die Schuppenproduktion bei trockener, gereizter Kopfhaut eindämmen. Dazu gehören: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Reizarmes Haarwaschen</strong>. Bei trockener Kopfhaut sind die Haare selten (einmal wöchentlich) und nur mit lauwarmem Wasser zu waschen. Lufttrocknen ist milder als trockenföhnen. </li><li><strong>Passende Pflegeprodukte.</strong> Das Shampoo sollte pH-neutral und mild sein, empfehlenswert sind Pflegeprodukte mit Harnstoff, Glycerin oder Dexpanthenol (in der Apotheke gibt es zahlreiche Produkte zur Auswahl).</li><li><strong>Nächtliche Ölkur. </strong>Eine Kurpackung mit Öl besänftigt die gestresste Kopfhaut. Dazu träufelt man sich einmal pro Woche abends mit einer Pipette Mandel-, Oliven-, Argan- oder Jojobaöl auf die Kopfhaut. Das Öl vorsichtig einmassieren und über Nacht einwirken lassen. Am nächsten Morgen wäscht man das Öl wieder aus. </li><li><strong>Vorsicht beim Styling</strong>. Um die Kopfhaut nicht weiter zu reizen, sollte man besser auf Haarefärben, Lockenstab und Glätteisen verzichten. Auch Schaumfestiger und Haarspray sollte man besser meiden. </li></ul> </p><p class="bodytext">Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können spezielle Anti-Schuppen-Shampoos für trockene Kopfhaut aus der Apotheke helfen. Sie enthalten meist mehrere Wirkstoffe wie etwa Pirocton-Olamin, Salicylsäure oder Polidocanol. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Auch Shampoos und Spülungen mit Pflanzenauszügen pflegen die Haare bei trockener, schuppender Kopfhaut. Beispiele sind Produkte mit Huflattich und Teebaumöl. </p><p class="bodytext"><strong>Fettige Kopfhaut als Schuppenquelle </strong> </p><p class="bodytext">Fettige Kopfhaut kann ebenso zu Schuppen führen wie trockene. Die dann meist öligen Schuppen glänzen gelblich und lassen sich nur schwer von den Haaren lösen. Sie entstehen durch eine übermäßige Talgproduktion. Häufige Kopfwäschen (mindestens alle zwei Tage) mit entfettenden Shampoos aus der Apotheke vermindern die Schuppen. </p><p class="bodytext">Weil auf der fettigen, schuppenden Kopfhaut Hefepilze gut gedeihen, sind den Shampoos meist antimykotische Wirkstoffe wie Ketoconazol, Cotrimazol, Selendisulfid oder Ciclopirox-Olamin beigefügt. Je nach Produkt müssen die Shampoos mindestens drei bis zehn Minuten auf der Kopfhaut einwirken. Die Angaben der Packungsbeilage sind deshalb genau zu beachten. </p><p class="bodytext"> Alle Shampoos sollen zunächst zwei- bis dreimal pro Woche, später zur Vorbeugung einmal pro Woche angewendet werden. Weil ein Dauereinsatz die Hautflora verändert, dürfen antimykotische Shampoos nicht länger als vier Wochen eingesetzt werden. Nach Abklingen der Beschwerden verwendet man ein mildes Shampoo ohne Duft- oder Konservierungsstoffe. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Antimykotische Schuppenshampoos können graue und weiße Haare verfärben. Außerdem reizen sie die Augen, weshalb man diese beim Haarewaschen geschlossen halten sollte. Kinder halten sich bei der Haarwäsche am besten einen Waschlappen vor dass Gesicht. </p><p class="bodytext"><strong>Wenn die Schuppen nicht weichen</strong> </p><p class="bodytext"> Manchmal sind Schuppen auch Hinweise für eine Hauterkrankung. Dann lassen sie sich durch die genannten Maßnahmen nicht lindern oder treten gemeinsam mit weiteren Beschwerden auf. Um abzuklären, was hinter den trockenen oder fettigen Schuppen steckt, ist deshalb in folgenden Fällen der Gang in die Hautarztpraxis erforderlich: </p><p class="bodytext"><ul><li>Die Schuppen werden trotz Basismaßnahmen und Anti-Schuppen-Shampoo nicht weniger oder treten immer wieder auf.</li><li>Die Kopfhaut juckt stark, brennt, ist stark gerötet oder sogar geschwollen. </li><li>Es finden sich nässende, entzündete oder verkrustete Stellen auf der Kopfhaut. </li></ul> </p><p class="bodytext">In der Praxis inspiziert die Hautärzt*in nicht nur die Kopfhaut, sondern auch die Haut des gesamten Körpers gründlich. Denn es ist durchaus möglich, dass die Kopfbeschwerden ein Zeichen für eine allgemeine Hauterkrankung sind. Manchmal sind für eine Diagnose zusätzlich Blutuntersuchungen erforderlich oder eine mikroskopische Begutachtung von Hautschuppen oder Gewebeproben. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Bei Kindern sollte man Kopfschuppen immer von der Ärzt*in abklären lassen, denn oft ist eine ansteckende Pilzinfektion die Ursache. </p><p class="bodytext"><strong>Von Neurodermitis bis Pilzinfektion </strong> </p><p class="bodytext">Die häufigsten Erkrankungen, die Schuppen verursachen, sind die Schuppenflechte, das seborrhoische Kopfhautekzem und die Neurodermitis. </p><p class="bodytext">Die <strong>Schuppenflechte</strong> macht sich am Kopf mit Juckreiz und roten, oft silbrig glänzenden Hautstellen bemerkbar. Diese Herde (auch Plaques genannt) breiten sich gern über die Haargrenze aus und lassen sich dann z.B. am Nacken gut erkennen. Durch die stark beschleunigte Reifung der Hautzellen kommt es zu einer ausgeprägten,meist trockenen, weißlichen Kopfschuppen. Es helfen keratolytische Shampoos mit Salicylsäure, Urea, aber auch Dicaprylyl-Carbonat, Dimeticon sowie Jojoba- und Olivenöl. Parallel dazu ist bei den meisten Patient*innen eine lokale Behandlung der Kopfhaut mit Kortisonpräparaten erforderlich. Diese werden als Shampoo, Schaum oder Lösung aufgetragen. Häufig verordnen die Hautärzt*innen auch einen Schaum mit Kortison und einem Vitamin D3-Analogon (Calcipotriol). Reicht die äußerliche Behandlung nicht aus, empfehlen die Leitlinien die Einnahme von spezifischen Wirkstoffen gegen die Schuppenflechte (Acitretin, Ciclosporin, Methotrexat oder auch TNF-alpha-Hemmer oder Interleukin-Blocker). </p><p class="bodytext">Die <strong>Neurodermitis</strong> tritt am Kopf mit extremem Juckreiz in Erscheinung. Oft kratzen sich die Betroffenen die Stellen sogar blutig. Die Schuppen sind bei der Neurodermitis weißlich, aber eher gering ausgeprägt. Um die Kopfhaut mit der nötigen Feuchtigkeit zu versorgen, sind feuchtigkeitsbindende Harnstoff (Urea-)-Shampoos ohne Silikon, Duftstoffe oder Konservierungsmittel ratsam. In der Apotheke gibt es zudem lindernde Intensivtonika, z.B. mit Urea, Lactat, Licochalcone A oder Polidocanol. Sie beruhigen die Kopfhaut und reduzieren den Juckreiz. Ist das atopische Ekzem stark ausgeprägt, verschreibt die Ärzt*in entzündungshemmende Kortisonlösungen. In besonders schweren Fällen kommen auch Ciclosporin, Januskinasehemmer oder monoklonale Antikörper zum Einsatz. </p><p class="bodytext">Das <strong>seborrhoische Kopfhautekzem</strong> entwickelt sich aus der fettigen Kopfhaut mit Schuppen (siehe oben), wobei die Übergänge fließend sind. Die starke Talgbildung begünstigt das übermäßige Wachstum eines zur normalen Hautflora des Menschen gehörenden Pilzes: Malessezia furfur. Dieser Pilz besiedelt die Haarfollikel und zersetzt den Talg. Vermehren sich jedoch Pilz und Talg, reiztdas dier Kopfhaut. Neben entzündeten, nässenden und juckenden Hautstellen finden sich ölig-glänzende, gelbe Schuppen. Diese bleiben meistens am Kopf kleben. Oft ist zudem nicht nur die Kopfhaut betroffen, sondern die nässenden Stellen finden sich auch um die Nase herum, am Kinn und an den Augenbrauen. Die Behandlung besteht aus antimykotischen Shampoos (siehe fettige Kopfhaut) und, im akuten Krankheitsschub, entzündungs- und juckreizhemmende Kortisontinkturen. </p><p class="bodytext">Malessezia kann auf der fettigen Haut auch die Kleienpilzflechte auslösen. Hierbei kommt es zu runden, münzgroßen, entweder hellen oder dunklen Flecken mit weißen Schuppen am Rand. Zur Behandlung dienen antimykotische Lösungen, die man auf die Kopfhaut aufträgt und einwirken lässt. Je nach Präparat wird die Anwendung mehrmals wiederholt. </p><p class="bodytext">Schuppen treten auch bei ansteckenden Pilzerkrankungen auf. Eine solche <strong>Tinea capitis</strong> ist z.B. bei Kindern häufig. Die Pilze werden durch Haustiere, von Mensch zu Mensch oder auch über Autositze oder Plüschspielzeug übertragen. Der Befall macht sich durch kreisrunde Herde mit gräulichen Schuppen bemerkbar, außerdem brechen die Haare kurz über der Kopfhaut ab. In ausgeprägteren Fällen finden sich hochrote, nässende und entzündete Herde. Für eine erfolgreiche Therapie muss die Hausärzt*in anhand von Hautproben auf Pilzsuche gehen. Das passende Anti-Pilzmittel wird parallel auf zwei Wegen verabreicht, und zwar lokal mit Lösungen oder Shampoo und systemisch als Tabletten. Die Therapie ist langwierig und darf erst beendet werden, wenn keine Erreger mehr nachweisbar sind. <br /> </p><p class="bodytext">Quelle: Winterhagen I, 2022, Deutsche Apotheker Zeitung 12:36 </p>

Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

<p class="bodytext">Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit: Über 60 Prozent der Deutschen haben im Alltag damit zu kämpfen. Wer keine Tabletten einnehmen möchte, bekommt die Beschwerden oft mit Schmerzgelen und Wärmepflastern in den Griff. Lesen Sie, wie man diese anwendet und was man sonst noch gegen Rückenschmerzen tun kann. </p><p class="bodytext"><strong>Zivilisation nagt am Rücken </strong> </p><p class="bodytext">Die moderne Lebensweise tut dem Rücken nicht gut. Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, sitzen zuviel und leiden unter Stress. Übergewicht und Haltungsfehler kommen dazu, manchmal auch falsches Heben oder Tragen. Aber auch Überlastungen durch ungewohnte Kraftanstrengungen können zu Rückenschmerzen führen – z. B., wenn man die Wohnung neu tapeziert oder den gesamten Holzvorrat für ein Jahr hackt. </p><p class="bodytext">In den allermeisten Fällen handelt es sich dann um die sogenannten „unspezifischen Rückenschmerzen“. Das bedeutet, dass sich nicht genau sagen lässt, welche Struktur hinter den Beschwerden steckt. Seltener sind spezifische Rückenschmerzen. Sie entstehen durch eindeutig diagnostizierbare Ursachen wie Knochenbrüche nach Stürzen, Bandscheibenvorfälle, Tumoren, rheumatische Erkrankungen oder Osteoporose. </p><p class="bodytext">Auch Erkrankungen der inneren Organe können sich durch Schmerzen im Rücken bemerkbar machen. Dies ist besonders oft bei Eierstock- oder Nierenentzündungen der Fall. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Treten zusätzlich zum Rückenschmerz Lähmungen, Probleme beim Wasserlassen oder Taubheitsgefühle auf, ist unbedingt eine Arztpraxis aufzusuchen. Das Gleiche gilt, wenn Fieber oder Gewichtsverlust dazukommen oder die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen nicht nachgelassen haben. </p><p class="bodytext"><strong>Was hilft im akuten Fall? </strong> </p><p class="bodytext">Früher wurde bei akutem unspezifischem Rückenschmerz Schonung und Bettruhe empfohlen. Heute hingegen raten Ärzt*innen zu sanften Bewegungen, um den Rücken wieder fit zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise Spazierengehen oder auch Tai-Chi. Manchmal ist das allerdings nur möglich, wenn der akute Schmerz parallel therapiert wird. Hier kommen Wärme und rezeptfreie Schmerzmittel ins Spiel. </p><p class="bodytext">Schmerzhafte Muskelverspannungen lassen sich gut durch Wärme lockern. In Frage kommen viele unterschiedlichen Wärmequellen. Wer möchte, kann ein elektrisches Wärmekissen, eine Heizdecke oder ein aufgewärmtes Körnerkissen verwenden. Auch Wärmebäder eignen sich gut. Besonders praktisch sind jedoch Wärmepflaster oder -salben aus der Apotheke. Sie haben den Vorteil, dass man sie auch während der alltäglichen Verrichtungen tragen kann – und somit mobil bleibt. Ihre Wirkstoffe fördern die Durchblutung, teilweise unterdrücken sie auch die Schmerzimpulse. Bei der Anwendung ist auf Folgendes zu achten: </p><p class="bodytext"><ul><li>Pflaster dürfen nur auf trockene, intakte Haut geklebt werden.</li><li>Nach Berühren des Pflasters unbedingt die Hände gut waschen, damit der Wirkstoff nicht in die Augen oder an die Schleimhäute gerät. Das gilt auch bei Cremes oder Balsam.</li><li>Keine anderen Cremes oder Gele auf die gleiche Hautstelle schmieren, damit die Aufnahme der Wirkstoffe nicht behindert wird.</li><li>Keine zusätzliche Wärme (zum Beispiel Heizkissen) anwenden, weil sonst die Durchblutung zu stark angeregt wird. </li></ul> </p><p class="bodytext">Ein beliebter schmerzlindernder Wirkstoff ist Capsaicin aus dem Cayennepfeffer. Capsaicin nützt doppelt: Zum einen fördert es die Durchblutung, zum anderen übererregt es die Schmerzrezeptoren. Das macht die Schmerzzellen im Rückenmark vorübergehend unempfindlich, was die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an das Gehirn unterdrückt. Capsaicincreme darf dreimal täglich aufgetragen werden und das Pflaster bis zu zwölf Stunden auf der Haut verbleiben. Mögliche Nebenwirkungen sind Quaddeln, Juckreiz oder Bläschen. </p><p class="bodytext">Hautverträglicher als Capsaicin sind Umschläge mit Wärmezellen, die Eisenpulver enthalten. Die wohltuende Wärme entsteht dadurch, dass das Eisenpulver mit Luftsauerstoff oxidiert. Deshalb darf die luftdichte Verpackung auch erst unmittelbar vor dem Aufkleben geöffnet werden. </p><p class="bodytext">Manchen Patient*innen hilft bei Schmerzen auch Beinwellwurzel-Fluidextrakt. Er enthält Allantoin, Schleimpolysaccharide und Gerbstoffe und ist für die Behandlung von Muskelschmerzen zugelassen. Auch ätherische Öle sollen gegen Rückenschmerzen helfen. Expert*innen zufolge ist ein eventueller Effekt jedoch eher auf die einreibende Massage als auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Vorsicht bei der Verwendung von Heizdecken und Heizkissen. Um die Brandgefahr zu mindern, sollten diese immer eine Abschaltautomatik besitzen. </p><p class="bodytext"><strong>Schmerzmittel zum Schmieren </strong> </p><p class="bodytext">Schmerzmittel gibt es nicht nur als Tabletten zum Schlucken, sondern auch als Gele oder Cremes zum Auftragen auf die Haut. Inhaltsstoffe dieser lokalen Schmerzmittel sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), d.h. Wirkstoffe, die schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Ob sich Rückenschmerzen damit „wegschmieren“ lassen, wird kontroverser diskutiert. Denn in bisher durchgeführten, standardisierten Studien konnte die Wirkung von Schmerzgelen oder -cremes noch nicht belegt werden. </p><p class="bodytext">Dennoch berichten viele Rückenschmerzpatient*innen von positiven Erfahrungen mit Schmerzgelen, -cremes oder pflastern. Wer seine unspezifischen Rückenschmerzen also mit lokalen NSAR angehen möchte, sollte die Präparate drei- bis viermal täglich auftragen, Forte-Wirkstoffe aufgrund höherer Dosierung nur zweimal am Tag. Im Zweifel fragt man am besten seine Apotheker*in. </p><p class="bodytext">Wie gut die Wirkstoffe die Hautbarriere überwinden und dort ankommen, wo sie wirken sollen, hängt von der Art der Zubereitung ab. Manchen Präparaten sind Penetrationsförderer beigemischt, die die Aufnahme beschleunigen. Am schnellsten wirken Emulsions- und Mikrogele. Bei Ersteren sind die Wirkstoffe in Öltropfen angereichert, bei Mikrogelen in Mizellen eingeschlossen. Beides beschleunigt den Transport des NSAR durch die Haut und dadurch die Schmerzlinderung. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Bei den Schmerzgelen gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Wärmepflastern. Sie dürfen nur auf intakte Haut geschmiert werden und nach dem Auftragen sollte man die Hände waschen, damit kein Wirkstoff in die Augen gerät. </p><p class="bodytext"><strong>Bewegung gegen chronische Rückenschmerzen </strong> </p><p class="bodytext">An ihre Grenzen kommen Pflaster und Cremes bei Fällen von chronischen Rückenschmerzen. Dann werden sie zwar begleitend eingesetzt – ohne Verhaltensveränderung ist ein längerfristiger Behandlungserfolg aber unwahrscheinlich. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Gut geeignet dafür sind Sportarten wie </p><p class="bodytext"><ul><li>Schwimmen</li><li>Pilates</li><li>Funktionstraining</li><li>Nordic Walking</li><li>Yoga und Tai-Chi. </li></ul> </p><p class="bodytext">Hilfreich ist es auch, Entspannungstechniken zu erlernen. Manche Betroffenen profitieren von der Akupunktur. Abgeraten wird dagegen von Stromtherapien (TENS, Interferenztherapie), Magnetfeldtherapie, Lasern oder Kinesio-Taping – sie alle bringen beim chronischen Rückenschmerz keine Linderung. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis:</strong> Lassen Sie sich bei jeder Sportart von einem Trainer anleiten, damit Sie die Bewegungen rückenschonend und -stärkend ausführen. Gehen Sie beim Trainieren nicht über Ihre Grenzen. </p><p class="bodytext"><strong>Vorbeugen ist besser als heilen </strong> </p><p class="bodytext">Wer beruflich im Alltag viel stehen, heben oder tragen muss, profitiert von einer Rückenschule. Dort lernt man, wie man im Alltag eine rückenfreundliche Haltung einnimmt. Diese Tipps helfen dabei: </p><p class="bodytext"><ul><li>Möglichst immer hüftbreit stehen und das Körpergewicht auf beide Füße gleichmäßig verteilen.</li><li>Immer wieder umhergehen und nicht zu lange in einer Position verharren.</li><li>Dynamisch sitzen, d.h. die Sitzposition immer wieder verändern.</li><li>Bei überwiegend sitzender Tätigkeit jede Stunde aufstehen (daran kann man sich z. B. von seiner Smartwatch erinnern lassen!), umhergehen, kleine Körperübungen machen.</li><li>Zum Aufheben schwerer Gegenstände mit geradem Rücken in die Hocke gehen und die Beine leicht nach außen spreizen.</li><li>Immer beide Hände zum Tragen schwerer Lasten benutzen, den Rücken aufrecht und den Gegenstand nah am Körper halten. </li></ul> </p><p class="bodytext">Quelle: Leitlinie Kreuzschmerz; Ines Winterhagen, DAZ 2021; Nr. 28, S. 46</p>

So bleibt kein Auge trocken

<p class="bodytext">Sie jucken, brennen und schmerzen – trockene Augen haben es wirklich in sich. Hinzu kommt: Werden trockene Augen nicht behandelt, drohen Entzündungen, Gewebeschäden und Sehstörungen. Anfeuchten und vor Schäden schützen ist deshalb die Devise. Wie das funktioniert, erfahren Sie in unserem aktuellen Ratgeber. </p><p class="bodytext"> <strong>Verminderte Tränenproduktion oder vermehrte Verdunstung </strong> </p><p class="bodytext">Trockene Augen sind eine Volkskrankheit: Fast jeder Fünfte hat Probleme damit, betroffen sind vor allem Frauen und ältere Menschen. Die Beschwerden reichen von einem Trockenheitsgefühl über Juckreiz und Brennen bis hin zu Schmerzen. Viele Patient*innen empfinden helles Licht als unangenehm oder haben das Gefühl, es sitze Sand oder ein Fremdkörper im Auge. Zu Beginn der Erkrankungen tränen die Augen paradoxerweise oft. Das liegt daran, dass das Auge auf den ständigen Reiz zunächst mit einer vermehrten Flüssigkeitsbildung reagiert. Langfristig kann das Auge den chronischen Reiz aber nicht kompensieren. Es entzündet sich und Hornhaut und Bindehaut nehmen Schaden, was wiederum den Tränenfilm weiter reduziert. Es entsteht ein Teufelskreis, der schließlich in Sehstörungen münden kann. </p><p class="bodytext"> Gründe für trockene Augen gibt es viele. Ärzt*innen unterteilen diese in drei Gruppen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Tockene Augen wegen vermehrter Verdunstung des Tränenfilms (=hyperevaporative Form, sie liegt bei etwa 80% der Patient*innen vor). Die Tränenflüssigkeit besteht aus zwei Anteilen: Den wässrigen und den fetthaltigen. Bei der hyperevaporativen Form sind die fetthaltigen Anteile vermindert. Ursache ist meist eine Dysfunktion der Meibomdrüsen. Diese kleinen Drüsen liegen im Lidrand und geben eine ölige Flüssigkeit ab, die dafür sorgt, dass der wässrige Anteil des Tränenfilms nicht zu schnell verdunstet. Ist ihre Funktion gestört, verhärtet ihr Sekret in den Drüsenausgängen, statt in den Tränenfilm zu gelangen und dort für eine geringere Verdunstung zu sorgen.</li><li>Trockene Augen wegen verminderter oder ausbleibender Tränensekretion (=hyposekretorische Form). Hier wird zu wenig vom wässrigen Anteil der Tränen produziert.</li><li>Mischformen, bei denen die Tränenproduktion vermindert und die Verdunstung verstärkt ist. </li></ul> </p><p class="bodytext"><strong>Risikofaktoren und Grunderkrankungen </strong> </p><p class="bodytext">Nicht immer lässt sich die Entstehung eines trockenen Auges verhindern. Ein nicht beeinflussbarer Risikofaktor für trockene Augen ist zum Beispiel das Alter. Denn mit voranschreitenden Jahren lässt bei den meisten Menschen die Funktion der Meibomdrüsen nach. Auch auf Hormonveränderungen in und nach den Wechseljahren und in der Schwangerschaft kann nur wenig Einfluss genommen werden. Anders sieht es bei Umweltfaktoren wie trockener Heizungsluft, Zigarettenrauch oder hohen Ozonwerten aus. Auch Kontaktlinsen können zu trockenen Augen führen, vor allem, wenn sie zu lange getragen oder nicht richtig gepflegt werden. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>PC-Arbeit oder langes Fernsehen gehen ebenfalls aufs Auge. Da man durch das konzentrierte Auf-den-Bildschirm-Starren seltener blinzelt, wird die Tränenflüssigkeit schlechter auf der Augenoberfläche verteilt und das Auge trocknet aus. </p><p class="bodytext">Daneben gibt es viele körperliche Erkrankungen, die als Begleiterscheinung die Augen unangenehm austrocknen. Dazu gehören neben Augenerkrankungen in erster Linie Hormonstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder der Diabetes mellitus. Typisch sind trockene Augen auch bei vielen rheumatischen und autoimmunen Erkrankungen, wie beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis oder beim Sjögren-Syndrom. Hauterkrankungen beziehen ebenso oft die Augen mit ein. So können die Akne, die Neurodermitis und Schuppenflechte das Augenbefinden empfindlich stören. Nicht zuletzt sind manchmal auch Infektionen wie Hepatitis, AIDS, Tuberkulose oder die Syphilis an trockenen Augen Schuld. </p><p class="bodytext"> <strong>Basistherapie für alle trockenen Augen </strong> </p><p class="bodytext">Die Behandlung von trockenen Augen ist oft langwierig. Oft gibt es nicht „die eine“ Ursache, sondern es wirken mehrere Faktoren zusammen. In diesem Fall müssen die Betroffenen herausfinden, welcher Maßnahmen-Mix sich in ihrem speziellen Fall bewährt. Zunächst sollten es Betroffene immer mit der sogenannten Basistherapie versuchen. Diese umfasst Allgemeinmaßnahmen, Lidrandpflege und Tränenersatzmittel. Die Allgemeinmaßnahmen beinhalten folgende Punkte: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Augen-Klima verbessern.</strong> Ist die Luftfeuchtigkeit gering, trocknet auch das Auge verstärkt aus. Um die Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen zu erhöhen, sollte man nicht zu stark zu heizen und regelmäßg lüften. Aber Achtung: Zugluft sollte dabei unbedingt vermieden werden, z. B., indem man vor dem Schlafen lüftet statt sich nachts unter das offene Fenster zu legen. Wer gar nicht ohne Frischluft schlafen möchte, kann die Augen mit einer Schlafmaske schützen. Reicht das nicht aus, können Luftbefeuchter zum Einsatz kommen. Klimaanlagen sollten, wenn möglich, gemieden werden.</li></ul> </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Bildschirmpausen einlegen</strong>. Damit die Arbeit am PC nicht zu trockenen Augen führt, sollten regelmäßig Bildschirmpausen eingelegt werden, bei denen der Blick am besten aus dem Fenster in die Ferne schweift. Immer wieder bewusst zu blinzeln hilft zudem, den Tränenfilm besser zu verteilen.</li><li><strong>Reize vom Auge fernhalten</strong>. Trockene Augen befinden sich in einem dauernden Reizzustand – deswegen sollte man zusätzlich äußere Reize unbedingt minimieren. Dazu zählen chemische Reize wie Feinstaub, aber auch Tabakrauch. Eine Brille mit Seitenschutz hilft, Reize wie z. B. Wind vom Auge fernzuhalten.</li><li><strong>Kontaktlinsen richtig verwenden.</strong> Wer Kontaktlinsen trägt, sollte seinen Augen öfter eine Pause gönnen. Wichtig ist die gründliche Reinigung und Pflege der Linsen, oft werden auch Tageslinsen empfohlen. Hilfreich sind spezielle Kontaktlinsen aus modernen Materialien wie z. B. Silikon-Hydrogel, die weniger trocken werden In sehr schweren Fällen muss meist sowieso auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichtet werden.</li><li><strong>Von innen befeuchten</strong>. Damit der Körper nicht austrocknet heißt die Devise „viel Trinken“. Günstig ist es, reichlich Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen. Studien zufolge sind sie antientzündlich wirksam und verbessern den Tränenfilm. </li></ul> </p><p class="bodytext"><strong>Fehlende Tränen von außen ersetzen </strong> </p><p class="bodytext">Unverzichtbares Standbein der Basistherapie sind Tränenersatzmittel. Sie lindern das Trockenheitsgefühl und schützen die Augenoberfläche, indem sie die Scherkräfte beim Blinzeln reduzieren. Je nach Schweregrad empfiehlt die Ärzt*in Tropfen, Gele oder Salben. Wirksame Inhaltsstoffe sind Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon, Zellulosederivate, Hyaluronsäure, Carbomere, Muzinanaloga oder Elektrolyte. </p><p class="bodytext">Ist durch die Meibomdrüsendysfunktion der Lipidanteil des Tränenfilms gestört (hyperevaporative Form) sind lipidhaltige Tränenersatzmittel hilfreich. Darin werden oft Triglyceride, Paraffinöl und Phospholipide kombiniert. Neben Tropfen gibt es auch lipidhaltige Augensprays, die auf das geschlossene Augenlid gesprüht werden. </p><p class="bodytext">Ob wässrig oder lipidreich – es gibt eine fast unüberblickbare Auswahl an Augentropfen, die sich in der Zusammensetzung ihrer Wirkstoffe unterscheiden. Manchmal muss man verschiedene Präparate ausprobieren, um die Augentropfen oder -salbe zu finden, die persönlich am besten hilft. Außerdem unterscheiden sich die Augentropfen in ihrer Applikationsform, d.h., in der Art des Tropfmechanismus. Auch hier gilt es auszuprobieren, mit welchem „Tropfer“ man am besten zurechtkommt. Im Zweifel gibt es dazu Rat in der Apotheke. Für alle Tränenersatzmittel gilt: sie müssen immer ausreichend oft nach ärztlichem Rat bzw. jeweiliger Packungsbeilage dosiert werden. Nur so entfalten sie neben ihrer lindernden auch ihre schützende Wirkung für die gereizte Augenoberfläche. </p><p class="bodytext"><strong>Hinweis: </strong>Patient*innen, die mehrmals täglich Augentropfen verwenden oder Allergien haben, sollten unbedingt konservierungsmittelfreie Präparate benutzen. </p><p class="bodytext"> <strong>Lidrandpflege – so geht´s: </strong> </p><p class="bodytext">Dritter wichtiger Bestandteil der Basistherapie ist die Lidrandpflege. Sie bessert die Funktion der Meibomdrüsen und läuft folgendermaßen ab: </p><p class="bodytext"><ul><li><strong>Auge wärmen.</strong> Dazu legt man für etwa zehn Minuten einen warmen Waschlappen auf den Augenbereich, hilfreich sind auch speziell dafür konzipierte Augenmasken oder Gelbrillen. Die Wärme weicht verhärtete Sekrete der Drüsen auf.</li><li><strong>Lidrandmassage.</strong> Nachdem die Sekrete aufgeweicht sind, müssen sie aus den verstopften Drüsengängen entfernt werden. Dazu streicht man mit einem feuchten Wattestäbchen die Lidranddrüsen vorsichtig in Richtung Auge aus.</li><li><strong>Lidränder reinigen.</strong> Am Schluss sind die Sekrete von den Lidrändern zu entfernen. Dazu benutzt man entweder mit spezieller Reinigungslotion angefeuchtete Wattepads oder gebrauchsfertige Reinigungstücher aus der Apotheke. </li></ul> </p><p class="bodytext"><strong>Wenn künstliche Tränen und Lidrandpflege nicht ausreichen </strong> </p><p class="bodytext">Nicht immer reichen allgemeine Maßnahmen, Lidrandpflege und Tränenersatz zur Linderung der Trockenheitsbeschwerden aus. Dann kann die Augenärzt*in die Tränenpünktchen vorübergehend mit kleinen Stopfen (sogenannten Plugs) verschließen. Auf diese Weise fließen die Tränen weniger gut ab und verbleiben länger auf dem Auge. </p><p class="bodytext">Hat sich das trockene Auge zusätzlich entzündet, kommen spezielle lokale Medikamente ins Spiel. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ist ein Antibiotikum erforderlich, werden oft Azithromycin-Tropfen verordnet. Ciclosporin A-Augentropfen hemmen die Produktion von Entzündungsvermittlern und erhöhen die Tränenproduktion. Die beiden Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus wirken ebenfalls entzündungshemmend, sie werden als Salben auf die Augenlider gestrichen, Tacrolimus gibt es zudem auch als Augentropfen. Liegt gleichzeitig eine Rosazea der Gesichtshaut vor, helfen oral eingenommene Tetracycline, die Entzündung einzudämmen und den Tränenfilm zu normalisieren. </p><p class="bodytext"><strong>Schwere Geschütze für schwere Fälle </strong> </p><p class="bodytext">Bei besonders schwerer Form des trockenen Auges ist die Therapie mit autologen Serumaugentropfen möglich. Diese werden aus dem eigenen Blut der Patient*in gewonnen und mit Kochsalzlösung verdünnt. Sie sind fünfmal täglich bis stündlich in das Auge einzuträufeln und wirken sowohl als Tränenersatz als auch antientzündlich. </p><p class="bodytext">Auch spezielle Kontaktlinsen können bei schweren Formen helfen. Sie schützen die Hornhautoberfläche nicht nur gegen Einflüsse von außen. Bevor man sie einsetzt, wird die Innenseite mit Kochsalzlösung oder künstlichen Tränen gefüllt. Dadurch kann die trockene Hornhaut regelrecht in Flüssigkeit baden. </p><p class="bodytext">Eine weitere Option für schwere Fälle sind augenärztliche Interventionen. So lässt sich beispielsweise das Tränenpünktchen durch Verödung oder das Einpflanzen permanenter Plugs auf Dauer verschließen. Stark vernarbte Meibomdrüsen kann die Augenärzt*in durch Sondierung freilegen, um den Fluss des Sekrets wiederherzustellen. Selten werden noch schärfere Geschütze notwendig. Beispiele dafür sind das Abdecken der Oberfläche durch Ammnionhaut oder die Verkleinerung der Lidspalte durch das Vernähen von Teilen des Ober- und Unterlides. </p><p class="bodytext">DAZ 2021, Nr. 8, S. 44; <a href="http://portal.apotheken.de/http://" target="_blank">Leitlinie</a> Sicca </p>

Altenpflege, Altenhilfe und Geriatrie

<p class="bodytext">In den letzten Jahren hat sich die <strong>Altenpflege</strong> zum Spezialgebiet der medizinischen Pflege entwickelt. Sie umfasst neben der medizinischen Therapie alle Aspekte des täglichen Lebens bis hin zur sozialen Betreuung und zur Unterstützung bei der Freizeitgestaltung. Die Altenpflege fördert und unterstützt die Selbstständigkeit und die Selbstbestimmung alter Menschen in allen Lebenslagen. Finanziert wird die Altenpflege in Deutschland vor allem durch die Pflegeversicherung. </p><p class="bodytext">Seit 2004 zählt die Altenpflege auch in der deutschen Gesetzgebung zu den Heilberufen und erfährt damit eine lange angestrebte Aufwertung. So sind <strong>Altenpfleger</strong> bzw. <strong>Altenpflegerin</strong> heute geschützte Berufsbezeichnungen für Personen, die eine dreijährige Altenpflegeausbildung absolviert haben. </p><p class="bodytext">Die <strong>Altenhilfe</strong> umfasst im Gegensatz zur Altenpflege auch die nichtpflegerischen Teile der Sorge um den alten Menschen. Unter dem Begriff „Altenhilfe“ sind alle Aktivitäten und Hilfeleistungen zusammengefasst, die zur Verbesserung der Lebensqualität alter Menschen geplant und ausgeführt werden. </p><p class="bodytext">Leistungen der Altenhilfe werden von Familien, Nachbarn, vom Staat und von Privatunternehmen angeboten. Der Hauptteil der sozialen Altenhilfe wird jedoch von den Freien Wohlfahrtsverbänden getragen. Wichtigste bundesweite Träger sind: </p><p class="bodytext"><ul><li>Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (DW) </li><li>Deutscher Caritasverband (DCV) </li><li>Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (Der Paritätische) </li><li>Arbeiterwohlfahrt (AWO) </li><li>Deutsches Rotes Kreuz (DRK) </li><li>Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) </li></ul> </p><p class="bodytext">In <strong>Geriatrie</strong> (medizinische Altersheilkunde) ausgebildete Ärzte kümmern sich besonders um die medizinischen Belange älterer Menschen. Vom <strong>Geriater</strong> werden meist Patienten behandelt, die das 70. Lebensjahr bereits überschritten haben. Die Geriatrie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin; sie verbindet die klassische Medizin mit der Frührehabilitation. Die Geriatrie hat das Ziel, die Selbstständigkeit erkrankter älterer Menschen so weit wiemöglich wiederherzustellen oder zu erhalten. </p><p class="bodytext">Bisher gibt es in Deutschland leider nur wenige Internisten, die eine Zusatzausbildung zum „Klinischen Geriater“ erworben haben. Auch geriatrische Einrichtungen befinden sich vielerorts erst im Aufbau. In der Praxis werden die meisten Senioren von Hausärzten und (hausärztlichen) Internisten versorgt, oft in Kooperation mit Pflegediensten. </p><p class="bodytext">Während die hausärztliche Versorgung meist leidlich funktioniert, hat eine aktuelle Studie gravierende Defizite in der fachärztlichen Versorgung im Heimbereich offenbart: So sind 81 % der Heimbewohner nicht in der Lage, allein oder in Begleitung eine fachärztliche Praxis aufzusuchen. Die wenigsten Zahn-, HNO- oder Augenärzte sind bereit, Heimbesuche durchzuführen. <quellenlink>[D01].</quellenlink></p>

Austrocknung

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><strong>Austrocknung</strong> (Dehydratation, Exsikkose, Flüssigkeitsmangel, Volumendefizit): Austrocknung der Körperzellen, entweder durch fehlende Flüssigkeitszufuhr oder durch vermehrten Flüssigkeitsverlust (z. B. bei Durchfallerkrankungen und großer Schweißproduktion), häufig einhergehend mit Mangelernährung. Ein Wassermangel führt zu lebensbedrohlichen Störungen im Salzhaushalt, u. a. mit Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit. </p><p class="bodytext">Die Akuttherapie im Krankenhaus ist einfach, wenn keine sonstigen Erkrankungen bestehen. Die Rückfallgefahr ist jedoch hoch, wenn die pflegerische Betreuung zu Hause nicht zu 100 % gewährleistet ist. </p><p class="bodytext"><h4><strong>Leitbeschwerden </strong></h4> </p><p class="bodytext"><ul><li>Mundtrockenheit </li><li>Eingerissene, spröde Mundwinkel </li><li>Pergamentartige, trockene Haut </li><li>Weißlich-bräunlich belegte Zunge </li><li>Raue Stimme </li><li>Unruhe, Konzentrationsschwäche </li><li> Verwirrtheit (was eine „akute“ Demenz vortäuschen kann)</li><li>Sinkende und dunkel gefärbte Urinmenge (unter 1,5 l pro Tag) </li><li>Herzrasen. </li></ul> </p><p class="bodytext"><h4><strong>Die Erkrankung</strong> </h4> </p><p class="bodytext"><!-- ###MEDIA0### --> </p><p class="bodytext">Der Mensch besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Der <strong>Wasserhaushalt</strong> gewährleistet, dass dieser Wasseranteil im Körper konstant bleibt. Er benötigt dazu täglich ~ 2,6 l Wasser; 1,5–2 l davon in Form von Flüssigkeit. Die Ausscheidung erfolgt weitgehend über die Nieren, kleinere Wassermengen werden auch über den Schweiß und die Lunge (als Wasserdampf) abgegeben. Ist der Wasserhaushalt im Gleichgewicht, sind die Aufnahme von Wasser, die Bildung von Wasser im Körper und die Ausscheidung ausgeglichen. Vor allem die Nieren erhalten dieses Gleichgewicht aufrecht und regulieren die Wassermenge. <strong>Adiuretin</strong> (antidiuretisches Hormon, ADH), ein Hormon aus der Hypophyse, steuert diesen Vorgang. Ist der Wasserhaushalt gestört, trocknet der Organismus entweder aus oder er überwässert. Lagert sich Flüssigkeit im Gewebe ein, entstehen Ödeme. </p><p class="bodytext">Mit zunehmendem Alter sinkt das Trinkbedürfnis, weil das Durstgefühl nachlässt; die Gründe sind nicht bekannt. So vergessen ältere Menschen oft einfach, genügend zu trinken. Aber auch aus Angst vor unkontrolliertem Urinverlust beschränken viele ältere Menschen das Trinken auf das Nötigste. </p><p class="bodytext">Das Missverhältnis zwischen Flüssigkeitsaufnahme und -verlust hat Auswirkungen auf Herzfrequenz, Körpertemperatur und Großhirnfunktion (erhöhte Reizbarkeit und Bewusstseinstrübung). Da die Blase nicht mehr regelmäßig gespült wird, steigt auch das Risiko für Blasenentzündungen. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Fieber, Durchfall und Erbrechen erhöhen das Risiko einer Austrocknung. Sie lassen den Bedarf an Flüssigkeit stark ansteigen und können sehr schnell auch bei normal ernährten Menschen zu einer lebensbedrohlichen Austrocknung führen. Nicht selten führt auch eine Behandlung mit Diuretika unbemerkt zur Austrocknung. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><strong>Unterstützung durch Angehörige</strong> </p> </p><p class="bodytext">Um die täglich notwendige Trinkmenge von mindestens 2,5 l zu erreichen, helfen folgende Maßnahmen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Beobachten Sie das Trinkverhalten des Betroffenen und entwickeln Sie mit ihm einen Trinkplan. </li><li>Stellen Sie die erforderlichen Trinkrationen in Sichtweite bereit: z. B. ein Glas Wasser auf dem Nachtisch, das direkt nach dem Aufstehen getrunken wird, nach dem Frühstück eine Kanne Tee oder Saft, die bis zum Mittagessen geleert sein sollte, eine weitere Kanne für nachmittags usw. </li><li>Bei Trinkbeschwerden erleichtern Strohhalme oder Schnabeltassen die Flüssigkeitsaufnahme. </li><li>Frische Fruchtsäfte regen die Trinklust an und enthalten lebenswichtige Mineralien und Vitamine. </li><li>Früchte mit hohem Flüssigkeitsgehalt (z. B. Melonen oder Weintrauben) sind manchmal eine gute Alternative zu Säften oder Tee. Auch Milch-, Gemüse- und Fleischsuppen sind gute Flüssigkeitsspender. </li><li>Kaffee und schwarzer Tee sind erlaubt. Nach 17 Uhr führen sie allerdings nicht selten zu (Ein-)Schlafstörungen. </li><li>Alkoholhaltige Getränke wie 1–2 Gläser Bier oder Weißwein am Abend sind in Ordnung. Im hohen Lebensalter hat die Restriktion des Alkoholkonsums keine Priorität. Es kommt lediglich darauf an, dass die Leber keine Schäden davonträgt. Der Hausarzt kann das durch einen einfachen Bluttest, z. B. durch Bestimmung der Gamma-GT leicht prüfen. </li></ul> </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift"> Ein Zielkonflikt besteht, wenn der Arzt die Trinkmenge aus medizinischen Gründen limitiert, z. B. bei Herzinsuffizienz oder Nierenschwäche. Diese Anordnung ist oft eine Gratwanderung zwischen dem, was dem Körper an Flüssigkeitsbelastung erspart werden soll und dem, was der Körper trotzdem zum Leben braucht. Eine ärztlich verordnete Trinkmenge sollte deshalb weder über- noch unterschritten werden – und auf 10 % genau eingehalten werden. </div></p>

Dekubitus

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><strong>Dekubitus</strong> (Druckgeschwür, Wundliegen, Dekubitalulkus, Dekubitalgeschwür): Schlecht heilende Wunde infolge Minderdurchblutung der Haut mit oberflächlichen oder tiefen Gewebedefekten (Geschwüren) in Haut und Unterhaut. Bei älteren, bettlägerigen Menschen meist Folge des über Monate bis Jahre einwirkenden Auflagedrucks auf bestimmte Hauptpartien. </p><p class="bodytext"><h4><strong>Die Erkrankung </strong></h4> </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Eine Verletzung der Haut durch einen Dekubitus ist eines der folgenschwersten und am meisten verbreiteten Probleme bettlägeriger Menschen. Experten schätzen, dass bis zu 30 % der zu Hause betreuten Patienten und 50 % der alten Menschen in Pflegeheimen und geriatrischen Kliniken zumindest zeitweise an einem Dekubitus leiden. Die meisten dieser schmerzhaften Druckgeschwüre entstehen am Kreuzbein und an den aufliegenden Fersen. </p><p class="bodytext">In der Regel spüren wir, wenn eine Entlastung des Gewebes angesagt ist, und ändern unsere Lage im Liegen oder Sitzen. Das passiert normalerweise automatisch, z. B. dann, wenn wir auf einem harten Stuhl sitzen und sich ein Unbehaglichkeits- oder gar ein Schmerzgefühl bemerkbar macht. Ein bewegungseingeschränkter, kranker Mensch kann jedoch nicht mehr selbstständig für diese Druckentlastung sorgen und ist so erheblich dekubitusgefährdet. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Wenn die Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Haut zu lange durch Druck behindert wird, stirbt das Gewebe ab. Druck von<i> außen</i> entsteht z. B., wenn ständig eine Falte im Bettlaken auf die Haut drückt oder ein Körperteil an die Bettkante gedrückt wird. Druck von<i> innen</i> entsteht, wenn Menschen auf Körperteilen liegen oder sitzen, an denen ihre Knochen ohne Muskel- oder Fettpolster direkt unter der Haut liegen. In Rückenlage lastet so besonderer Druck auf dem Gesäß (Kreuz- und Steißbein), auf den Fersen, den Ellenbogen, den Schulterblättern und auf dem Hinterkopf. </p><p class="bodytext">Ein Dekubitus entwickelt sich vom Gewebeinneren nach außen. Wenn ein weißer oder roter Fleck an aufliegenden Körperstellen sichtbar wird und bei Druckentlastung nicht innerhalb weniger Sekunden verschwindet , ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Werden erste Anzeichen eines Druckgeschwürs nicht behandelt, breitet es sich rasch in tiefe Gewebeschichten aus und führt zu Entzündungen, die als Rötungen und Blasenbildungen erkennbar sind. Ist das Gewebe abgestorben, färbt sich die Hautstelle dunkelblau bis schwarz, und es bildet sich ein Krater – der Dekubitus ist entstanden. </p><p class="bodytext"><p class="das_macht_arzt"><strong>Das macht der Arzt </strong></p> </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Je früher ein Dekubitusrisiko erkannt wird, desto schneller können geeignete Hilfsmittel verordnet werden. Arzt und Pflegepersonen können Sie in der Vorbeugung beratend unterstützen. </p><p class="bodytext">Wird ein Dekubitus nicht rechtzeitig behandelt, stirbt das Gewebe immer weiter ab, bis sich ein tiefes Geschwür (Ulkus) bildet. Wenn das Ulkus sich infiziert, und die Bakterien sich in den umgebenden Weichteilen ausbreiten, besteht sogar Lebensgefahr. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Glücklicherweise sind die Chancen für eine erfolgreiche Dekubitustherapie durch die heutigen <strong>Feuchtverbände</strong> (Hydrokolloidverbände) viel besser als noch vor 15 Jahren, wo ein Druckgeschwür oft monatelang offen blieb (oder der Patient an den Komplikationen verstarb). Die engmaschige Behandlung und Kontrolle eines vorhandenen Dekubitus liegt in den Händen des Hausarztes. Bei aufwendigen Wundversorgungen oder täglich notwendigen Verbandwechseln übernehmen ambulante Pflegedienste die Versorgung. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><strong>Unterstützung durch Angehörige </strong></p> </p><p class="bodytext">Druck ist das Hauptrisiko für die Entstehung eines Dekubitus. Darum gilt es, den Druck zu reduzieren. Folgende Maßnahmen wirken dem Dekubitus entgegen: </p><p class="bodytext"><ul><li>Aktivieren und Mobilisieren geht vor Lagern: Jede Bewegung, die vom Betroffenen selbstständig ausgeführt wird, unterstützt die Druckentlastung und mindert so das Dekubitusrisiko. Lassen Sie den Betroffenen z. B. regelmäßig aus dem Bett aufstehen, um die Mahlzeiten am Tisch einzunehmen. Auch das eigenständige Aufsetzen und Halten der Tasse gehört dazu. Und es gibt zahlreiche Übungen, die auch im Bett durchgeführt werden können, z. B. das Anspannen der Gesäßmuskulatur oder das Beinanwinkeln. </li><li>Häufige Umlagerung: Um eine einseitige Druckbelastung zu vermeiden, muss der Patient regelmäßig umgelagert werden. Die Abstände sollten individuell festgelegt werden – z. B. alle zwei Stunden. </li><li>Vermeiden von typischen Lagerungsfehlern: Die Fersen sind unbedingt frei zu lagern, indem z. B. ein Kissen unter die Unterschenkel gelegt wird. Sanitätshäuser bieten eine Fülle von Weichlagerungskissen an, die die Druckentlastung durch das Freilagern von Körperteilen ermöglichen. </li><li>Antidekubitusmatratzen verringern das Dekubitusrisiko tatsächlich. Die Wechseldruckmatratze z. B. sieht aus wie eine übergroße Luftmatratze und wird auf die eigentliche Bettmatratze gelegt. Eine in der Matratze integrierte Pumpe bläst dann abwechselnd Luft in die Kammern. Das Körpergewicht wird so einerseits von den luftgefüllten Kammern getragen, und der normalerweise entstehende Auflagedruck wird durch das Ablassen der Luft immer wieder reduziert. Bei der Low-air-loss-Therapie, einem Wechseldrucksystem, bei dem Luft verloren geht, strömt aus den Matratzenkammern ständig geringfügig angewärmte Luft. Durch den Luftstrom wird der Betroffene in einer Art Schwebezustand gehalten, und der Auflagendruck wird verringert. </li></ul> </p><p class="bodytext"><div class="iGel">Hilfsmittel gegen Dekubitus werden von den Krankenkassen bezahlt, wenn aufgrund von Krankheit oder Behinderung dauerhaftes Liegen erforderlich ist, das zu einem erhöhten Dekubitusrisiko führt. Voraussetzungen dafür sind eine ärztliche Verordnung, ein Antrag sowie eine nachweisliche Einschätzung des Risikos. </div> </p><p class="bodytext"><p class="vorsorge"><strong>Vorsorge </strong></p> </p><p class="bodytext">Bei der Körperpflege sollten die Angehörigen darauf achten, ob die Haut weiße Flecken oder Rötungen aufweist. Liegt eine Rötung vor, gibt der <strong>Fingertest</strong> (Fingerdrucktest) einen Hinweis, ob es sich um einen beginnenden Dekubitus handelt. Dazu mit einem Finger auf die Rötung drücken. Bei gesunder Haut verfärbt sich die Stelle erst weiß, anschließend wieder rot. Besteht ein Dekubitus, bleibt die Stelle durchgängig rot. Durch Schweiß oder Urin häufig feuchte Haut ist besonders gefährdet. Durchnässte Kleidung oder Wäschestücke müssen umgehend gewechselt werden. Verwenden Sie zum Waschen lauwarmes Wasser und Seifen oder Duschlotionen, die einen hohen Anteil an rückfettenden Bestandteilen haben und den schützenden Säuremantel nicht beeinträchtigen (z. B. <span class="handelsname">Eucerin®-</span> oder <span class="handelsname">Sebamed®-</span>Produkte). Anschließend wird die Haut gründlich abgetrocknet und mit einer Pflegecreme eingecremt. Wenn Sie nicht sicher sind, welche Creme für den Hauttyp Ihres Angehörigen die richtige ist, fragen Sie Ihren Hausarzt. Um zu vermeiden, dass der Patient stark schwitzt, empfiehlt sich atmungsaktive Bett- und Unterwäsche mit einem hohen Baumwollanteil. Spannen Sie zusätzlich ein Moltontuch über das normale Bettlaken, das Flüssigkeiten aufsaugt und bei (leichter) Verunreinigung schnell gewechselt werden kann. </p><p class="bodytext">Zur Dekubitusprophylaxe gehört vor allem aber auch die regelmäßige Kontrolle, ob Falten im Bettzeug sind oder liegen gelassene Gegenstände und Bettkanten auf die Haut drücken. </p><p class="bodytext"><div class="gh_warnung">Eine Fülle hartnäckig kursierender Tipps gegen Dekubitusbildung schaden mehr als sie nützen. Dazu gehören: </p><p class="bodytext"><ul><li>Kühlen und Föhnen oder Massage zur Durchblutungsförderung. Diese waren mal in Mode. Untersuchungen haben aber bewiesen, dass sie den Zustand belasteter Haut verschlimmern. </li><li>Einreibungen mit alkoholhaltigen Lösungen wie Franzbranntwein entfetten die Haut und machen sie rissig. </li><li>Dicke Pasten zum Hautschutz erschweren die Beobachtung der Haut. Auch von hautfärbenden Lösungen wird abgeraten, weil auch sie eine Inspektion der Haut fast unmöglich machen. </li><li>Ebenso ungünstig ist die Behandlung mit Melk- oder Wollfetten. Sie verschließen Hautporen und weichen vorgeschädigtes Gewebe auf. </li><li>Das Pudern gefährdeter Hautbezirke ist umstritten. Die Partikel binden zwar Feuchtigkeit, was erwünscht ist, doch wenn die Partikel nicht fein genug ausgestrichen werden und „klumpen“, schädigen sie die Haut ebenso wie Brotkrümel im Bett. </li><li>Fersen- und Ellenbogenschoner aus Fell haben keinen Effekt; auch Watteverbände zum Polstern reichen nicht aus. </li><li>Mit Luft gefüllte Gummiringe als Kreuzbeinschutz schränken die Beweglichkeit des Betroffenen ein und schaden der Haut durch den entstehenden Wärmestau. </li><li>Gummi- und Plastikunterlagen sind zu vermeiden, weil die Patienten auf ihnen schwitzen und so die Haut feucht wird. </li><li>Statische Auflagen oder Matratzen, die permanent mit Luft gefüllt sind, drücken ebenso wie die Luftmatratze beim Camping und entlasten nicht. </li></ul></div> </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="infobox">Weiterführende Informationen</p> </p><p class="bodytext"><ul><li><a href="http://www.dekubitus.de" target="_blank">www.dekubitus.de</a> – Institut für angewandte Pflegeforschung e. V., Bremervörde: Verständliche und praxisorientierte Fachinformationen. </li><li><a href="http://www.rki.de" target="_blank">www.rki.de</a> – Website des Robert-Koch-Instituts, Berlin: Bietet Themenheft 12 zu Dekubitus unter der Rubrik Gesundheitsberichterstattung, Stichwortsuche Dekubitus, zum Herunterladen – mit allem, was man wissen sollte. </li><li>A. Fuchs: Dekubitus. Risikofaktoren – Prophylaxe – Therapiemöglichkeiten. Kohlhammer, 2004. Fachbuch auch für pflegende Angehörige. </li></ul></p>

Stuhlinkontinenz

<p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><strong>Stuhlinkontinenz</strong> (Darminkontinenz, anorektale Inkontinenz, Incontinentia alvi): Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten. Die Stuhlinkontinenz tritt häufig im fortgeschrittenen Stadium von Demenz auf und ist sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden eine große Belastung. </p><p class="bodytext"><h4><strong>Die Erkrankung</strong> </h4> </p><p class="bodytext">Normalerweise verschließt ein kompliziertes Schließmuskelsystem den Darmausgang. Zahlreiche Faktoren können dieses komplexe Zusammenspiel der Muskeln jedoch stören: </p><p class="bodytext"><ul><li> Neurologische Störungen wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose</li><li>Darmverletzungen und -tumoren (z. B. Mastdarmkrebs) </li><li>Entzündliche Prozesse in der Afterregion wie Fisteln bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Hämorrhoiden </li><li>Manchmal kann auch eine chronische Verstopfung durch anfallsweisen, nicht beherrschbaren Stuhldrang zur Verdachtsdiagnose Stuhlinkontinenz Anlass geben. </li></ul> </p><p class="bodytext"><p class="das_macht_arzt"><strong>Das macht der Arzt </strong></p> </p><p class="bodytext">Die Diagnostik ergibt sich aus Art und Häufigkeit der Inkontinenzepisoden. Eine gezielte Therapie der Stuhlinkontinenz ist im hohen Lebensalter leider nur selten möglich. Bei einer chronischen Darmentzündung werden z. B. Arzneimittel verabreicht, Tumoren werden operativ entfernt. </p><p class="bodytext"><p class="selbsthilfe"><strong>Unterstützung durch Angehörige </strong></p> </p><p class="bodytext">Zu den unterstützenden Pflegemaßnahmen gehört vor allem das <strong>Darmtraining:</strong> Der Betroffene geht täglich zu einem festgelegten Zeitpunkt (z. B. nach dem Frühstück oder Mittagessen) auf die Toilette, auch wenn er keinen Stuhldrang spürt. Auf diese Weise gewöhnt sich der Darm daran, sich zu einem festgelegten Zeitpunkt zu entleeren. Um das Zurückhalten des Stuhls zu üben, hilft es, den Schließmuskel täglich mehrmals willkürlich zusammenzukneifen und den Beckenboden zu trainieren. </p><p class="bodytext">Nach jeder Darmentleerung muss die Analregion des Betroffenen gründlich mit Wasser (oder Babyöl) gereinigt und gut abgetrocknet werden. Um Entzündungen vorzubeugen, tragen Sie danach Wund- und Heilpasten auf (z. B. <span class="handelsname">Kamillosan®</span>, <span class="handelsname">Multilind®</span>). Desinfizieren Sie beschmutzte Gegenstände nach dem Reinigen, z. B. mit <span class="handelsname">Sagrotan®-</span>Spray oder Tüchern. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><strong>Hilfsmittel.</strong></span><strong> Fäkalkollektoren</strong> werden am Anus angeklebt und fangen so den austretenden Stuhl in einem Beutel auf. Der Fäkalkollektor ist zweckmäßig, wenn der Stuhl sehr flüssig ist und kontinuierlich ausgeschieden wird. So wird die Haut geschützt, und die Pflege wird vereinfacht. Fäkalkollektoren eignen sich jedoch nur kurzzeitig bei komplett bettlägerigen Kranken, aber nicht, wenn sie teilmobil oder mobil sind. </p><p class="bodytext"><strong>Analtampons</strong> sind aus weichem Schaumstoff und werden direkt in den Anus eingeführt. Sie verhindern, dass Stuhl austreten kann. Verspürt der Betroffene Stuhldrang, kann er den Tampon auf der Toilette leicht entfernen und sich entleeren. Analtampons sind zur kurzfristigen Linderung einer Stuhlinkontinenz geeignet. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext">Darüber hinaus gibt es Slipeinlagen, Inkontinenzeinlagen oder Inkontinenzslips, die in die Unterwäsche eingelegt werden und den Stuhl auffangen. Die Einlagen gibt es in allen Größen und Stärken in Apotheken und im Sanitätsfachhandel. </p><p class="bodytext"><span class="spitzmarke"><strong>Mit der Situation umgehen.</strong></span> Unangenehme Gerüche lassen sich durch Frischluft und Desinfektionsmittel schnell beseitigen. Die meisten Pflegemaßnahmen bei Stuhlinkontinenz bedeuten jedoch immer auch ein unfreiwilliges Eindringen in die Intimsphäre des Menschen. Wie schwierig und unangenehm dies sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden ist, können Außenstehende oft nur erahnen. Angehörigen und Pflegepersonal wird viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl abverlangt; manchmal fühlen sich Angehörige überfordert und brauchen Übung und Rat, um in belastenden Situationen mit pflegebedürftigen Menschen umgehen zu können. Dazu gehört auch, den Anblick von Stuhl, Erbrochenem oder durchnässten Betttüchern auszuhalten. Und das ist bis zu einem gewissen Grad lernbar. </p><p class="bodytext">Offenheit ist wichtig. Niemanden ist damit geholfen, wenn Gefühle mit Gewalt unterdrückt werden. Auch den Betroffenen nicht. Gelassenheit, Ehrlichkeit und Humor können so manche Situation entspannen. Wenn z. B. das Bett beschmutzt ist, darf man getrost sagen: „Oh, das ist ja eine schöne Bescherung.“ Und mit einem weiteren Satz wie „Ich mache mal schnell das Fenster auf“, lässt sich die Situation besser meistern, als hektisch und verkrampft den Schaden zu beseitigen oder so zu tun, als sei nichts geschehen. </p><p class="bodytext">Es erleichtert den Betroffenen, wenn er so schnell wie möglich aus seiner unangenehmen Lage befreit wird. </p><p class="bodytext">Beim Reinigen sollten Einweghandschuhe und eine Plastikschürze benutzt werden, die es in der Apotheke gibt und die anschließend entsorgt werden können. </p><p class="bodytext">Lässt es anschließend Ihre Zeit zu, tut es gut, für ein paar Minuten (oder länger) einfach etwas Abstand zu bekommen, indem man z. B. eine gut riechende Creme aufträgt und einmal tief an der frischen Luft durchatmet. </p><p class="bodytext">Die meisten Informationsangebote zur Harninkontinenz behandeln auch die Stuhlinkontinenz. </p>

Die falsche Frage: Wie lange habe ich noch?

<p class="bodytext">Viele meinen, mit der Diagnose „Krebs“ oder einer anderen unheilbaren Krankheit stehe der Tod in der Tür. Doch auch im „normalen“ Leben ist die Lebenszeit begrenzt und der Tod unentrinnbar. Es ist deshalb gut, nach der schlimmsten ersten Zeit den Blick wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren und das Beste aus der aktuellen Lebensphase zu machen. Das bedeutet mit anderen Worten, dass nicht „Wie lange noch?“ von Bedeutung sein sollte, sondern „Was brauche ich jetzt, um erträglich leben zu können?“ </p><p class="bodytext">„Jetzt leben“ heißt nicht nur, das Leben in „vollen Zügen“ zu genießen. Es geht beim „Jetzt“ auch darum, den Kampf mit den Krankheitsfolgen und Therapiebelastungen angemessen zu führen, und den richtigen Beistand in diesem letzten Lebensabschnitt zu organisieren und auch einzufordern. </p><p class="bodytext">Für die Angehörigen bedeutet das konkret: </p><p class="bodytext"><ul><li>Vermeiden Sie oberflächliches Aufmuntern. Hören Sie bedingungslos zu, seien Sie wohlwollend, ermutigend und nicht skeptisch (auch in der Mimik). Verzichten Sie auf Kommentare. </li><li>Halten Sie sich zurück mit Ratschlägen, geben Sie keine Empfehlungen, wenn Sie nicht ausdrücklich darum gebeten werden. Auch Ursachensuche und Deutungen sind nicht gefragt. </li><li>Seien Sie ehrlich im Kontakt, überspielen Sie Ihre eigenen Gefühle nicht. </li><li>Sprechen Sie keine Dinge an, die Ihr erkrankter Angehöriger nicht selbst anspricht. </li></ul></p>

Juristische Fragen am Ende des Lebens

<p class="bodytext">Wer eine palliativmedizinische Versorgung möchte, will sehr oft keine maximale medizinische Weiterbehandlung. Diese Willenserklärung ist solange kein Problem und vom Arzt ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, solange der Patient in vollem Umfang geschäftsfähig ist. Oft ist dies aber nur noch mit Einschränkungen der Fall. Gerade ältere Menschen schätzen in dieser Lebensphase komplizierte medizinische Sachverhalte nicht mehr richtig ein. Das ändert aber nichts an dem Recht des Patienten, bis zum Schluss selbst über seine Behandlung oder Nichtbehandlung zu entscheiden. In einer <strong>Patientenverfügung</strong> können sie deshalb schon zu einem frühen Zeitpunkt ihren Willen festhalten. </p><p class="bodytext">Seit dem 1. September 2009 ist in Deutschland ein neues Patientenverfügungsgesetz (PatVerfG) in Kraft. Danach sind Patientenverfügungen für Ärzte und Betreuer verpflichtend. Die Bestimmungen aus der Patientenverfügung sind damit wichtiger als die Tatsache, wie der Arzt eine Krankheitslage einschätzt. Er muss sie unabhängig von Art oder Stadium der Verletzung bzw. Krankheit beurteilen. Das schließt ein, dass er unter Umständen das Ziel zurückstellen muss, Leben zu erhalten. Patientenverfügungen haben seither zudem eine größere Reichweite. Nun gelten sie auch bei Erkrankungen wie Wachkoma und Demenz, selbst wenn der Tod zeitlich noch nicht absehbar ist. Patienten können außerdem für möglicherweise eintretende Krankheitsfälle bereits im Vorfeld festlegen, welche Therapien sie wollen und welche nicht. Voraussetzung ist, dass die Verfügung schriftlich vorliegt. Um eine Patientenverfügung zu widerrufen, gilt dagegen auch eine mündliche Äußerung. </p><p class="bodytext">Patientenverfügungen mit einer Auflistung von 120 Situationen – wie sie in den USA üblich sind – binden den Arzt in ein Handlungskorsett, in dem er sich nicht viel bewegen kann, was sich letztlich oft sogar gegen die Interessen des Patienten richtet, der irgendetwas angekreuzt hat, das er nicht absehen konnte und was dann im Ernstfall auch nicht mehr seinen aktuellen Interessen entspricht. </p><p class="bodytext">Ist der Patient nur noch eingeschränkt geschäftsfähig, und kann er sich nicht mehr eindeutig artikulieren, müssen die Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Patienten darstellen. Sie dürfen aber nur „übersetzen“ und nicht ihre eigenen Vorstellungen oder gar Interessen in den Vordergrund rücken. Das aber findet oft statt. Deshalb stellen die Ärzte die Äußerungen der Angehörigen über den vermeintlichen Willen des Patienten häufig infrage. </p><p class="bodytext">Hier hilft die <strong>Vorsorgevollmacht.</strong> Sie bevollmächtigt eine Vertrauensperson, im Fall der Geschäftsunfähigkeit rechtswirksam zu handeln. Ihre Erklärungen sind verbindlich. Einzelne Kompetenzen wie Finanzgeschäfte, Gesundheitsangelegenheiten, Aufenthaltsbestimmungen etc. sollten darin klar festgelegt sein. Eine „natürliche“ Vorsorgevollmacht kennt der Gesetzgeber nur für Eltern minderjähriger Kinder, auch wenn viele Ärzte und Gerichte ein gleiches Recht auch Ehegatten zuerkennen. </p><p class="bodytext">Sowohl Patientenverfügungen als auch Vorsorgevollmachten gelten nach dem neuen Gesetz zeitlich unbegrenzt. Dennoch ist es hilfreich, regelmäßig zu überprüfen, ob die einmal festgelegte Verfügung immer noch den eigenen Wünschen entspricht. Patienten können dann die Aktualität mit einem kurzen entsprechenden Hinweis mit Datum und Unterschrift bekunden. Aber auch ein Widerruf oder Änderungen sind jederzeit möglich. Es reicht aus, diese Entscheidungen mündlich zu äußern – etwa gegenüber dem behandelnden Arzt oder nahen Angehörigen. </p><p class="bodytext">Auch wenn Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht gewissenhaft formuliert sind, treten bei der Anwendung mitunter Probleme auf. Es ist schwierig, im Vorfeld exakte Beschreibungen aller erdenklichen Krankheitssituationen zu leisten. Daher deckt eine Verfügung nicht immer alle möglichen Behandlungswünsche vollständig ab. Wer möchte, kann sich bei der Erstellung von einem Arzt unterstützen lassen. Die Krankenkassen zahlen diese Beratungsleistung allerdings nicht. </p><p class="bodytext"> </p><p class="bodytext"><p class="infobox">Weiterführende Informationen</p> </p><p class="bodytext"><ul><li>G. Geckle; M. Bonefeld: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, Haufe 2009. Erläutert das neue Gesetz und gibt Hinweise zum richtigen Verfassen der Verfügungen.</li></ul></p>

Lebensqualität für Sterbende

<p class="bodytext">Lebensqualität für einen unheilbar Kranken, das klingt für einen Gesunden vielleicht unverständlich. Aber Lebensqualität bedeutet, dass der Kranke im Rahmen seiner Möglichkeiten <i>unbeschwert</i> leben kann. Niemand kann von außen die Situation eines Sterbenden beurteilen. Betreuende und Angehörige brauchen viel Einfühlungsvermögen, um herauszufinden, was wichtig ist. </p><p class="bodytext">Für alle Sterbenden ist es wichtig, Menschen um sich zu haben. Das Gefühl, noch immer Teil des Lebens zu sein, gehört wohl zu den universalen Bedürfnissen Sterbender. Zuzuhören oder nur da zu sein ist das, was das Begleiten auf dem letzten Lebensweg ausmacht. </p><p class="bodytext">Wenn Menschen hilflos sind und nicht mehr reden können, ist es besonders wichtig, ihre Lebensäußerungen wahrzunehmen. Nur so kann es gelingen, Belastungen und Schmerzen für sie zu vermeiden und das Selbstbestimmungsrecht aufrechtzuerhalten. Weil es der Palliativmedizin nicht mehr um Heilung geht, sondern um Milderung der Symptome, nimmt die Kontrolle von Symptomen einen besonderen Stellenwert ein. Täglich wird geprüft, ob die Therapie neu anzupassen ist. Die häufigsten Probleme sind: </p><p class="bodytext"><ul><li>Übelkeit und Erbrechen, besonders bei Krebspatienten, aber auch als Nebenwirkung von Schmerzmedikamenten. (Verträgliche und wirkungsvolle Medikamente stehen aber zur Verfügung). </li><li>Hautschäden, insbesondere Dekubitus </li><li>Inkontinenzprobleme: In der Palliativmedizin sind die Infektionsrisiken eines Dauerkatheters eher vertretbar als sonst. Wenn der Patient sich wohler fühlt mit einem Dauerkatheter, weil keine Geruchsprobleme mehr da sind, und er die Angst, dass „was passieren könnte“, vergessen kann, soll er ihn bekommen. </li><li>Mundschleimhautprobleme und Trockenheit der Mundhöhle </li><li>Hunger und Durst durch Unfähigkeit zu kauen oder zu schlucken, Verdauungsbeschwerden </li><li>Verstopfung, häufig ebenfalls eine Medikamentennebenwirkung, aber auch Folge von Bewegungsmangel und einseitiger Ernährung </li><li>Trockenheit der Augen (Sicca-Syndrom): Künstliche Tränen bieten hier wirksame Hilfe. </li><li>Verwirrtheit: Es gibt vieles, das die Verwirrtheit eines Menschen verschlimmert, z. B. häufige Ortswechsel und wechselnde Bezugspersonen. </li><li>Atemnot und Rasselgeräusche beim Atmen. </li></ul> </p><p class="bodytext"><p class="nzo">Angst und Unruhe beseitigen </p> </p><p class="bodytext">Eine Herausforderung für die Angehörigen sind Angst und Unruhe des Sterbenden. Dahinter steckt entweder eine nicht ausreichende Schmerztherapie oder aber die Angst vor den letzten Tagen und Stunden, d. h. vor weiterem zusätzlichen Leiden. Doch die Komplikationen, die dann schließlich das Leben beenden, müssen nicht leidvoll sein. </p><p class="bodytext">So kommt es bei krebskranken Menschen, aber auch bei Menschen mit unheilbaren Leberschäden (Leberzirrhose) häufig zur Bewusstlosigkeit durch giftige Substanzen (Koma bzw. Leberausfallkoma). Der Übergang kann für Angehörige sehr belastend sein, ist aber relativ kurz und mit Medikamenten gut überbrückbar. Bei Gehirntumoren kann es zu Krampfanfällen kommen, die über den Hirndruck ebenfalls zum Koma führen. Das Leben endet dann mit einem „Einschlafen“. Große Ängste schließlich bestehen vor Atemnot und vor dem Ersticken. Lungen- und Herzkranke sind hier oft betroffen. Durch die Atemnot wird Kohlendioxid im Blut angereichert, das dazu führt, dass das Bewusstsein des Sterbenden geringer wird und er dann einschläft (so genannte CO<sub>2</sub>-Narkose). Das heißt, er wird den Zustand des Erstickens nicht mehr bewusst erleben. </p><p class="bodytext">Viele Patienten sind erleichtert, wenn sie über diese Zusammenhänge ehrlich und medizinisch korrekt aufgeklärt werden. </p><p class="bodytext"><p class="nzo">Ernährung am Lebensende </p> </p><p class="bodytext">Beim Sterbenden tritt das Essen zunehmend in den Hintergrund. Hat man früher Sterbende fast bis zuletzt gezwungen, etwas zu sich zu nehmen und zu trinken oder mit regelmäßigen Infusionen für Flüssigkeitszufuhr gesorgt, weil man Angst vor Austrocknung hatte, gilt dieses Vorgehen heute als Kunstfehler. So ist das Thema Essen heute eher ein Problem der Wahrnehmung der Angehörigen. Der Schwerkranke hat meist keinen Hunger mehr. </p><p class="bodytext">Diese Aussage gilt natürlich nur mit Einschränkungen für Kranke mit noch längerer Lebenserwartung. Im Krankenhaus stellen Infusionen die Therapie der Wahl dar, weil meistens ein venöser Zugang schon besteht und dieser auch durch die Infusionen offen gehalten werden kann. </p><p class="bodytext">Die Mehrzahl der Sterbenden kann einigermaßen normal essen und sollte das auch tun. Das gilt auch für die Frage, <i>was </i>der Patient isst. Diäten sind gut, aber irgendwann ziemlich zweitrangig. Der Schwerkranke soll – wenn er mag – essen und trinken, was immer er will.&nbsp; </p><p class="bodytext">Das Thema künstliche Ernährung am Lebensende nimmt in der öffentlichen Diskussion einen immer größeren Stellenwert ein. Das betrifft insbesondere die Ernährung über eine PEG-Sonde, die über die Bauchdecke in den Magen gelegt wird. Sinnvoll ist dies, wenn dadurch ein vorübergehender, durch Schluckschwierigkeiten hervorgerufener Zustand überbrückt werden kann, um anschließend wieder eine normale Ernährung zu ermöglichen. Im letzten Lebensstadium sollte die künstliche Ernährung insgesamt sorgfältig überlegt werden. Sie haben aber in jedem Fall Zeit zum Überlegen, niemand verhungert in so kurzer Zeit. Sie dürfen durchaus auch die Frage stellen, ob mit der künstlichen Ernährung die Probleme des Kranken oder die der Umgebung gelöst werden sollen und können. Bei Hochbetagten könnten die Nachteile (Komplikationen, Fixierung) die wenigen Vorteile überwiegen. </p><p class="bodytext">Eine Flüssigkeitszufuhr durch Infusionen, die belastungsfrei auch rektal (über den After) möglich ist, kann notwendig sein. In der letzten Lebensphase können Kranke jedoch ohne Infusion friedlich leben und sterben – und wahrscheinlich sogar besser. Sie leiden in dieser Situation nicht an Hunger und Durst. </p><p class="bodytext"><div class="gh_leuchtstift">Viele Schwerkranke verweigern bewusst die Nahrung, um schneller sterben zu können. Das ist keine leichte Situation, denn nun müssen die Angehörigen zusehen, wie der Patient immer weiter abmagert. Der Wille des Patienten sollte aber respektiert werden. Auch die Flüssigkeitsverweigerung in der letzten Phase vor dem Tod ist ein natürliches Zeichen des Todkranken, dass er sterben will. </div></p>